Nicola – der alltägliche Bücherwahnsinn

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Archiv: Montag, 13. Oktober 2008

Montags ist eigentlich mein langer Arbeitstag, ich gehe früh aus dem Haus, komme spät wieder und hätte sicherlich noch länger mit einem mulmigen Gefühl zu Hause gesessen, wenn da nicht meine stadtbekannte Schusseligkeit wäre.

Also gegen 19 Uhr zu Hause und auf der Treppe schon einen merkwürdigen Umschlag gefunden, mein erster Gedanke “ah, mein gestern bestelltes Buch ist da” – im selben Moment wurde selbst mir klar, dass das nicht möglich ist. Egal, Schlüssel geholt, schnell den Umschlag noch in die Tasche gepackt und wieder zurück zur Einrichtung.

Wie immer stand ich vor den Bahnschranken und hatte so die Gelegenheit den Umschlag anzuschauen. Aus Portugal – da kenn ich niemanden, der kann nicht für mich sein. Erst mal aufreißen und gefunden haben ich erst mal folgendes Schreiben.

Post aus Portugal ARG

Post aus Portugal ARG

Sollte dieser Satz etwa versteckte Kritik sein an meiner doch nicht ganz vollkommenen Schreibweise sein?

Nehmen Sie die beiliegende Aufmerksamkeit als Zeichen meiner Würdigung ihres kreativen Geistes entgegen, der, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, seine wahre Ausdrucksform noch nicht gefunden hat.

Aber es ging noch weiter, eine Tüte war darin – eine Tüte, wie sie von der Polizei (?) verwendet wird.

Post aus Portugal

Post aus Portugal

Auf dieser Tüte ein Formular “Evidence” (Anhaltspunkt)
Post aus Portugal
In dieser Tüte selbst war ein kleines Fläschchen, genau betrachten konnte ich es im Auto nicht und habe erst mal alles wieder in die Tasche gepackt.

Post aus Portugal

Ab zur Arbeit, auf dem Parkplatz noch komische Gedanken “Mach die Flasche nicht auf, es könnte explodieren, Giftgas oder ähnliches sein” – ja, ich weiß, ich lese zu viele Krimis. Aber es kommen einem ja die komischsten Gedanken.

Den Kollegen habe ich auch direkt meine komische Post gezeigt, während ich gleich google bediente und zum Glück stieß ich bei der Suche nach “Nehmen Sie die beiliegende Aufmerksamkeit als Zeichen meiner Würdigung ihres kreativen Geistes entgegen” auf Kossis Tagebuch (deswegen auch der Titel – allerdings war das mulmige Gefühl doch ein paar Sekunden länger :-) )und von da ging dann ein direkter Link zum Krimiblog

Ich bin Teilnehmer Alternate Reality Games – uff. Das muss ich erst mal sacken lassen :P

Meine Kollegen und ich rätselten ewig rum und irgendwann traute ich mich auch, das Fläschchen zu öffnen. Es machte schön “plop” und ich würde sagen… es ist ein Duft drin – genauer kann ich das derzeit nicht sagen, da ich erkältet bin. Ich lasse mal Probe schnüffeln die Tage, vielleicht erkennt ja jemand es genauer.

Jetzt muss ich erst mal weiter lesen und mich informieren und überhaupt und sowieso – aber lustig find ich es. :-)

In diesem Sinne
Nicola

[aartikel]3764502843:left[/aartikel]Die Bücherdiebin von Markus Zusak

Kurzbeschreibung:
Den Tod muss man nicht fürchten. Er ist nämlich, wie er als Ich-Erzähler von sich selbst in einer Vorbemerkung sagt, „bemüht, dieser ganzen Angelegenheit eine fröhliche Seite zu verleihen“. Nur hätten die meisten Menschen „einen tief sitzenden Widerwillen, der es ihnen unmöglich macht, mir zu glauben, so sehr ich auch versuche, sie davon zu überzeugen“. Mit einem weiteren Vorurteil räumt der Tod gleich zu Beginn auf, dass ihm nämlich die Menschen gleichgültig seien. Im Gegenteil. Ab und zu, so erfahren wir, braucht er sogar eine Auszeit, um sich abzulenken. „Ihr wollt wissen“, fragt er, „wovon ich mich ablenken muss? (…) Es sind die übrig gebliebenen Menschen. / Die Überlebenden.“ Eine solche Überlebende, „eine Expertin im Zurückbleiben“ ist die neunjährige Liesel Memminger. Von ihr handelt dieses wunderbare Buch. Zum ersten Mal begegnet der Tod der neunjährigen Liesel 1939 am Grab ihres kleinen Bruders, wo sie auch ihre Karriere als Bücherdiebin beginnt: Mit Hilfe des Handbuchs für Totengräber lernt sie das Lesen und muss fortan immer wieder Bücher stehlen. Sie „rettet“ auch welche — vor den Flammen der Nazis. Und hin und wieder bekommt sie auch welche geschenkt. Ihre Liebe zu Büchern muss es sein, die den Tod, der sich selbst hier als großer Erzähler erweist, die Liesel lieb gewinnen lässt. Während um sie herum Bombenhagel alles in Schutt und Asche legen, findet sie Schutz im Keller – und in ihren Büchern.

Meine Meinung:

Gerade habe ich ein beeindruckendes Buch zur Seite gelegt, die letzten Kapitel waren schwer zu lesen, die Tränen flossen, so berührt war ich von diesem Buch.

Aber nun zurück zum Anfang. Die Geschichte der Hauptfigur Liesel Memminger wird vom Tod selbst erzählt. Und ich hätte nie gedacht, dass der Tod selbst mir so sympathisch vorkommt. Seine Aufgabe ist es „Seelen auf das Förderband zur Ewigkeit“ zu legen.

Der Tod erzählt immer wieder von sich, sagt uns, wie er die Welt sieht. Aber er ist allgemein sehr mitteilungsbedürftig und erzählt immer wieder von Dingen, die erst später im Buch erscheinen. Was mich sonst immer ärgert, macht den Tod doch noch sympathischer.

Die Geschichte ist eine sehr bewegende, sehr ergreifende. Liesel Memminger reist zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder fort. Beide Kinder sollen zu Pflegeeltern nach Molching kommen. Auf dem Weg dorthin verstirbt ihr Bruder und Liesel klaut ihr erstes Buch „Handbuch für Totengräber“, obwohl sie selbst nicht leben kann.

Ihre Pflegeeltern sind Rosa und Hans Habermann. Rosa Habermann ist eine eher derbe Frau. Sie nennt Liesel „Saumensch“, aber auch ihren Ehemann „Saukerl“. Während ich am Anfang über diese Namen stolperte, wurde mir doch im Laufe der Zeit klar, dass es ihre Art war, ihre Zuneigung zu zeigen – harte Schale aber weicher Kern.

Hans Habermann gewinnt schnell Liesels Vertrauen, nachts steht er auf und tröstet Liesel, wenn sie wieder mal aus ihren Alpträumen aufgeschreckt ist. Hier entdeckt er auch das „Handbuch für Totengräber“ und stellt fest, dass Liesel nicht lesen kann. Durch diesen Fund ergeben sich die nächtlichen Nachhilfestunden für Liesel, die mit seiner Unterstützung nach und nach das Lesen erlernt.
Rudi ist ebenfalls ein guter Freund für Liesel, mit ihm spielt sie Fußball, stiehlt Lebensmittel, aber es ist auch der Rudi, der unbedingt einen Kuss von Liesel haben möchte, den sie ihn immer wieder verwehrt.
Das Buch spielt während des 3. Reiches und es bedeutet Krieg, Verzicht, aber auch die Zeit der Judenverfolgung und als Max Vandenberg – ein Jude – zu den Habermanns kommt und von ihnen versteckt wird, gibt es nicht nur Angst davor, entdeckt zu werden, sondern es entwickelt sich auch eine tiefe Freundschaft.

Die Bücherdiebin ist eine wundervolle Geschichte, die deutlich auch die Macht der Sprache zeigt. Für mich eine Liebesgeschichte, die gerade noch durch die traurigen letzten Kapitel deutlich wird.
Sprachlich wunderschön und einfühlsam erzählt. Das Ende war zwar vorherzusehen, aber ich hatte immer noch gehofft, dass der Tod gnädiger sein wird.

Das hat mich sehr beweg:

Spoiler
Besonders bewegend war für mich, als Liesel den toten Rudi tot findet und auf ihn zuläuft, ihn versucht zu wecken und ihn dann küsst.

Die Bewertung fällt mir dieses Mal nicht schwer. Volle fünf Punkte – und eigentlich noch viel mehr, die ich ja aber nicht bewerte. Und gedanklich ist das Buch noch sehr präsent – auch wenn es zu Ende gelesen wurde.

Nicola


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