[aartikel]3764502843:left[/aartikel]Die Bücherdiebin von Markus Zusak
Kurzbeschreibung:
Den Tod muss man nicht fürchten. Er ist nämlich, wie er als Ich-Erzähler von sich selbst in einer Vorbemerkung sagt, „bemüht, dieser ganzen Angelegenheit eine fröhliche Seite zu verleihen“. Nur hätten die meisten Menschen „einen tief sitzenden Widerwillen, der es ihnen unmöglich macht, mir zu glauben, so sehr ich auch versuche, sie davon zu überzeugen“. Mit einem weiteren Vorurteil räumt der Tod gleich zu Beginn auf, dass ihm nämlich die Menschen gleichgültig seien. Im Gegenteil. Ab und zu, so erfahren wir, braucht er sogar eine Auszeit, um sich abzulenken. „Ihr wollt wissen“, fragt er, „wovon ich mich ablenken muss? (…) Es sind die übrig gebliebenen Menschen. / Die Überlebenden.“ Eine solche Überlebende, „eine Expertin im Zurückbleiben“ ist die neunjährige Liesel Memminger. Von ihr handelt dieses wunderbare Buch. Zum ersten Mal begegnet der Tod der neunjährigen Liesel 1939 am Grab ihres kleinen Bruders, wo sie auch ihre Karriere als Bücherdiebin beginnt: Mit Hilfe des Handbuchs für Totengräber lernt sie das Lesen und muss fortan immer wieder Bücher stehlen. Sie „rettet“ auch welche — vor den Flammen der Nazis. Und hin und wieder bekommt sie auch welche geschenkt. Ihre Liebe zu Büchern muss es sein, die den Tod, der sich selbst hier als großer Erzähler erweist, die Liesel lieb gewinnen lässt. Während um sie herum Bombenhagel alles in Schutt und Asche legen, findet sie Schutz im Keller – und in ihren Büchern.
Meine Meinung:
Gerade habe ich ein beeindruckendes Buch zur Seite gelegt, die letzten Kapitel waren schwer zu lesen, die Tränen flossen, so berührt war ich von diesem Buch.
Aber nun zurück zum Anfang. Die Geschichte der Hauptfigur Liesel Memminger wird vom Tod selbst erzählt. Und ich hätte nie gedacht, dass der Tod selbst mir so sympathisch vorkommt. Seine Aufgabe ist es „Seelen auf das Förderband zur Ewigkeit“ zu legen.
Der Tod erzählt immer wieder von sich, sagt uns, wie er die Welt sieht. Aber er ist allgemein sehr mitteilungsbedürftig und erzählt immer wieder von Dingen, die erst später im Buch erscheinen. Was mich sonst immer ärgert, macht den Tod doch noch sympathischer.
Die Geschichte ist eine sehr bewegende, sehr ergreifende. Liesel Memminger reist zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder fort. Beide Kinder sollen zu Pflegeeltern nach Molching kommen. Auf dem Weg dorthin verstirbt ihr Bruder und Liesel klaut ihr erstes Buch „Handbuch für Totengräber“, obwohl sie selbst nicht leben kann.
Ihre Pflegeeltern sind Rosa und Hans Habermann. Rosa Habermann ist eine eher derbe Frau. Sie nennt Liesel „Saumensch“, aber auch ihren Ehemann „Saukerl“. Während ich am Anfang über diese Namen stolperte, wurde mir doch im Laufe der Zeit klar, dass es ihre Art war, ihre Zuneigung zu zeigen – harte Schale aber weicher Kern.
Hans Habermann gewinnt schnell Liesels Vertrauen, nachts steht er auf und tröstet Liesel, wenn sie wieder mal aus ihren Alpträumen aufgeschreckt ist. Hier entdeckt er auch das „Handbuch für Totengräber“ und stellt fest, dass Liesel nicht lesen kann. Durch diesen Fund ergeben sich die nächtlichen Nachhilfestunden für Liesel, die mit seiner Unterstützung nach und nach das Lesen erlernt.
Rudi ist ebenfalls ein guter Freund für Liesel, mit ihm spielt sie Fußball, stiehlt Lebensmittel, aber es ist auch der Rudi, der unbedingt einen Kuss von Liesel haben möchte, den sie ihn immer wieder verwehrt.
Das Buch spielt während des 3. Reiches und es bedeutet Krieg, Verzicht, aber auch die Zeit der Judenverfolgung und als Max Vandenberg – ein Jude – zu den Habermanns kommt und von ihnen versteckt wird, gibt es nicht nur Angst davor, entdeckt zu werden, sondern es entwickelt sich auch eine tiefe Freundschaft.
Die Bücherdiebin ist eine wundervolle Geschichte, die deutlich auch die Macht der Sprache zeigt. Für mich eine Liebesgeschichte, die gerade noch durch die traurigen letzten Kapitel deutlich wird.
Sprachlich wunderschön und einfühlsam erzählt. Das Ende war zwar vorherzusehen, aber ich hatte immer noch gehofft, dass der Tod gnädiger sein wird.
Das hat mich sehr beweg:
Die Bewertung fällt mir dieses Mal nicht schwer. Volle fünf Punkte – und eigentlich noch viel mehr, die ich ja aber nicht bewerte. Und gedanklich ist das Buch noch sehr präsent – auch wenn es zu Ende gelesen wurde.

Nicola