Es ist bei uns schon Tradition, dass ich zu Weihnachten, dass jeweils aktuelle Buch von John Grisham bekomme und so war es auch beim letzten Weihnachtsfest, denn da gab es “Das Gesetz”:
Im fiktiven Ford County in Mississippi, im tiefen Süden der USA, wo die Uhren etwas langsamer ticken und die Menschen alle etwas eigenwillig – um nicht zu sagen eigentümlich – sind, hat John Grisham sein neues Buch angesiedelt: einen Band mit sieben Kurzgeschichten. Kauzige Typen begegnen uns da: etwa die beiden Brüder, die gemeinsam mit ihrer Mutter den dritten Bruder an seinem letzten Tag auf Erden im Todestrakt des Gefängnisses besuchen (und mit dem Lieferwagen kommen, weil ein Bestattungsunternehmen sie doch nur über den Tisch ziehen würde), oder der Anwalt, der die Chance seines Lebens wittert, mit einem abenteuerlichen Plan aus seiner mittelmäßigen Existenz auszubrechen, oder der windige Investor, der plötzlich sein Herz für die Indianer entdeckt – allerdings nicht aus Menschenliebe, sondern weil ihn deren Lizenz zum Betreiben von Spielcasinos lockt.
Sieben Kurzgeschichten erwarteten mich in diesem neuen Grisham. Während mich viele der letzten Veröffentlichungen eher enttäuscht hatten, war ich gespannt, ob er es schafft, mich in den Kurzgeschichten zu fesseln.
Er hat es geschafft – wenigstens zum Teil. In jeder seiner Kurzgeschichten geht es (mal mehr, mal weniger eng) um “Recht und Gesetz”. Nicht die Fälle haben mich dieses mal berührt, sondern die Personen – jene urige Menschen, die die Geschichten ausmachen, beleben. Die Mischung aus Gesetz, aus Recht, gewöhnlichen, aber doch urigen Persönlichkeiten, hat es geschafft, mir ein paar vergnügliche Lesestunden zu verschaffen.
Grisham hat für seinen neuen Roman viel Kritik einstecken müssen – für mich ist das nicht nachvollziehbar. Natürlich sind Kurzgeschichten nicht jedermanns Sache, vielleicht liegt es auch daran, dass zum Teil die Erwartungen falsch waren – denn wer rechnet beim Grisham schon mit Kurzgeschichten?
Übrigens: Ich frage mich jedes Mal zu Weihnachten: würde ich mir den neuesten Grisham kaufen, selbst kaufen? Ich weiß es nicht. Eigentlich ist es auch egal – denn für mich gehört der Grisham an Weihnachten dazu, wie der Tannenbaum und wie ich schon gelesen habe, gibt es im Oktober 2011 bereits den nächsten Grisham und ich freue mich wieder darauf.





