Nicola – der alltägliche Bücherwahnsinn

Du durchsuchst gerade das Archiv der Kategorie ‘Rezensionen’.

Kategorie: Rezensionen

Es ist bei uns schon Tradition, dass ich zu Weihnachten, dass jeweils aktuelle Buch von John Grisham bekomme und so war es auch beim letzten Weihnachtsfest, denn da gab es “Das Gesetz”:

gesetz_grishamAmazon Kurzbeschreibung:

Im fiktiven Ford County in Mississippi, im tiefen Süden der USA, wo die Uhren etwas langsamer ticken und die Menschen alle etwas eigenwillig – um nicht zu sagen eigentümlich – sind, hat John Grisham sein neues Buch angesiedelt: einen Band mit sieben Kurzgeschichten. Kauzige Typen begegnen uns da: etwa die beiden Brüder, die gemeinsam mit ihrer Mutter den dritten Bruder an seinem letzten Tag auf Erden im Todestrakt des Gefängnisses besuchen (und mit dem Lieferwagen kommen, weil ein Bestattungsunternehmen sie doch nur über den Tisch ziehen würde), oder der Anwalt, der die Chance seines Lebens wittert, mit einem abenteuerlichen Plan aus seiner mittelmäßigen Existenz auszubrechen, oder der windige Investor, der plötzlich sein Herz für die Indianer entdeckt – allerdings nicht aus Menschenliebe, sondern weil ihn deren Lizenz zum Betreiben von Spielcasinos lockt.

Sieben Kurzgeschichten erwarteten mich in diesem neuen Grisham. Während mich viele der letzten Veröffentlichungen eher enttäuscht hatten, war ich gespannt, ob er es schafft, mich in den Kurzgeschichten zu fesseln.

Er hat es geschafft – wenigstens zum Teil. In jeder seiner Kurzgeschichten geht es (mal mehr, mal weniger eng) um “Recht und Gesetz”. Nicht die Fälle haben mich dieses mal berührt, sondern die Personen – jene urige Menschen, die die Geschichten ausmachen, beleben. Die Mischung aus Gesetz, aus Recht, gewöhnlichen, aber doch urigen Persönlichkeiten, hat es geschafft, mir ein paar vergnügliche Lesestunden zu verschaffen.

Grisham hat für seinen neuen Roman viel Kritik einstecken müssen – für mich ist das nicht nachvollziehbar. Natürlich sind Kurzgeschichten nicht jedermanns Sache, vielleicht liegt es auch daran, dass zum Teil die Erwartungen falsch waren – denn wer rechnet beim Grisham schon mit Kurzgeschichten?

 

Übrigens: Ich frage mich jedes Mal zu Weihnachten: würde ich mir den neuesten Grisham kaufen, selbst kaufen? Ich weiß es nicht. Eigentlich ist es auch egal – denn für mich gehört der Grisham an Weihnachten dazu, wie der Tannenbaum und wie ich schon gelesen habe, gibt es im Oktober 2011 bereits den nächsten Grisham und ich freue mich wieder darauf.

griesemer_herzschlag

Kurzbeschreibung von Amazon:

New York im September 2001: Der Schauspieler Noah Pingree ist auf dem Weg zur Arbeit. Im Theater im Lincoln Center steht sein neues Stück auf dem Programm. Alles ist wie immer, doch je näher der Auftritt rückt, desto stärker werden Noahs Kopfschmerzen. Und kurz bevor sich der Vorhang öffnet, trifft ihn der Schlag.
Als er Tage später in einem Krankenhaus erwacht, steht nicht nur die Stadt New York, sondern die ganze Welt unter Schock. Doch Noah kämpft sich zurück ins Leben – und stellt fest, dass manchmal erst alles aus den Fugen geraten muss, damit etwas Neues beginnt.
Mit Herzschlag hat John Griesemer ein magisches Werk geschaffen: Die Geschichte des geschlagenen Schauspielers, dem sich inmitten von Tragödien das nackte Leben zärtlich offenbart, ist zugleich die Geschichte des Schreckens und der Schönheit unserer Welt.

Meine Meinung:

Eigentlich stand das Buch nie auf meiner Wunschliste. Ich brauchte es nicht und wollte es auch nicht haben – eigentlich wusste ich noch nicht mal von seiner Existenz. :). Wie es dann trotzdem zu mir kam? Ein Fehlgriff meiner Mutter – bzw. ein Missverständnis zwischen der Buchhändlerin und meiner Mutter, während meine Mutter das neueste Buch von John Grisham kaufen wollte, bekam sie das Buch von John Griesemer. Aber gut, so kam ich zu diesem Buch, dass ich eigentlich nie haben wollte.

Der Klappentext war für mich nicht sehr spannend: Noah Pingree erwacht aus seinem Koma und steht vor den Trümmern seines Lebens. Von den Anschlägen auf das World Trade Center hat er nichts mitbekommen. Nicht nur für ihn hat sich das Leben verändert – auch die Welt hat sich verändert. New York ist nicht mehr das, was es einmal war.

Noch flüchtet sich in seine Kindheitserinnerungen – am Marshalse Academy of Dramatic Arts, wo er Dorothea kennenlernt, die eine wichtige Bezugsperson für ihn (und seine Mutter) wird.

Die Geschichte wird aus Noahs Sicht geschildert, der zwischen der Gegenwart und Vergangenheit hin- und herspringt und so wechselte auch ich beim Lesenzwischen dem schüchternen Kind Noah aus den 50er Jahren und dem "heutigen" Noah – Schauspieler, Schlaganfallpatient.

Diese Rollenwechsel machten dieses Buch für mich in vielen Bereichen sehr faszinierend und besonders.Wie schon andere geschrieben haben, ist Herzschlag eine Liebeserklärung an das Theater und mit dieser Liebeserklärung traf Griesemer bei mir mitten ins Herz.

Daher Endnote: 2

513urFiOHPL._SL160_

Der neunjährige Bruno weiß nichts von der Endlösung oder dem Holocaust. Er ist unberührt von den entsetzlichen Grausamkeiten, die sein Land dem europäischen Volk zufügt. Er weiß nur, dass man ihn von seinem gemütlichen Zuhause in Berlin in ein Haus verpflanzt hat, das in einer öden Gegend liegt, in der er nichts unternehmen kann und keiner mit ihm spielt.

Bis er Schmuel kennenlernt, einen Jungen, der ein seltsam ähnliches Dasein auf der anderen Seite des angrenzenden Drahtzauns fristet und der, wie alle Menschen dort, einen gestreiften Pyjama trägt. Durch die Freundschaft mit Schmuel werden Bruno, dem unschuldigen Jungen, mit der Zeit die Augen geöffnet. Und während er erforscht, wovon er unwissentlich ein Teil ist, gerät er unvermeidlich in die Fänge des schrecklichen Geschehens.

 

Es ist schnell klar, zu welcher Zeit die Geschichte der beiden Freunde spielt und wie unterschiedlich deren Welten sind. Bruno, der Sohn eines Kommandanten, Schmuel der Junge im Konzentrationslager.

Die erste Begegnung der beiden Jungen ist rührend. Beide am gleichen Tag geboren, beide fühlen sich in ihrer Ausweglosigkeit gefangen und scheinen sich gegenseitig zu helfen und zu wärmen. 

Die Frage, die ich mir beim Lesen und auch heute – einige Tage danach – stelle ist: kann ein 9jähriger Junge damals wirklich so naiv gewesen sein, dass er nicht mitbekommt, was in seinem Umfeld passiert.

Aber trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – Brunos Naivität hat mich das Buch doch sehr bewegt. Immer wieder wollte ich ihn schütteln und ihm erklären, was auf der anderen Seite des Zaunes vor sich geht: aber ich konnte ihn natürlich nicht, von seinem größten Abenteuer abhalten: das Anziehen des gestreiften Pyjamas und dem Besuch auf der anderen Seite des Zauns.

Ein sehr bewegendes Buch für mich, das von mir die volle Punktzahl erhält.

Nicola

 

erste_verdacht_huss

 

Ein neuer Fall für Irene Huss, Kriminalinspektorin aus Göteborg: Der 50jährige Hotel- und Restaurantbesitzer Kjell B. Ceder wird in seiner luxuriösen Villa in den Schären bei Göteborg erschossen aufgefunden. Niedergestreckt mit zwei Schüssen. Ehedrama oder Mord unter Geschäftspartnern? Irene Huss nimmt die Ermittlungen auf – und stößt auf eine heiße Spur, die sie bis nach Paris führt. Dann wird die fast verweste Leiche eines Mannes gefunden, und die Karten scheinen völlig neu gemischt zu werden …

 

Der erste Verdacht ist der sechste Band in der Reihe um Irene Huss, Kriminalinspektorin aus Leidenschaft mit Mann, Zwillingen, einem Reihenhaus und einem Hund.

 

Helene Tursten hat sich an die früheren “dot.com” Fälle gewagt – windige Internetgeschäfte in den Anfangszeiten des www.

Das Buch geizt gerade zu Beginn nicht mit Finanzdetails und den Biographien der einzelnen Protagonisten – von denen es einige übrigens einige gibt. Vielleicht hätten zwei, drei Personen weniger dem Buch auch ganz gut getan. :-)

 

Das Buch ist spannend und flüssig zu lesen und wie auch bereits in den vorherigen Romanen beschreibt Helen Tursten das Leben ihrer Hauptfiguren sehr detailreich – manchmal auch zu detailreich.

 

Grundsätzlich gut, und ich verteile 3,5Buchwürmchen (die ich nachreiche als Bild, weil sie derzeit in Arbeit sind :D )

 

Einen schönen Abend noch allen
Nicola

Kurzbeschreibung:
Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 13 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf "Play" – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon …Ein Roman, der unter die Haut geht.

Meine Meinung:
"Tote Mädchen lügen nicht" war für mich ein Zufallsgriff. Ich las davon in einer Zeitschrift und war anschließend in einer Buchhandlung, die das Buch vorrätig hatten. Bestellt hätte ich es mir sehr wahrscheinlich nicht und irgendwann wäre das Buch für mich in Vergessenheit geraten. Ich bin froh, dass ich das Buch kaufen konnte – und in kürzester Zeit verschlungen habe.

Hannah Baker hat Selbstmord begannen und wie immer fragt sich jeder, "Warum hat sie es nur getan?". Diese Frage beantwortet Hannah selbst – denn sie liefert gleich 13 gute Gründe. Vor ihrem Suizid besprach sie 7 Kassetten. 13 Namen werden dort genannt, die alle Anteil an ihrem Selbstmord haben. Jeder dieser Personen erhält die Kassetten und muss sie sich nach und nach anhören. Auch Clay ist einer von ihnen und hört sich nun Hannahs Stimme auf Band an, um zu erfahren, was er getan hat, warum er dazu gehört. Denn eigentlich ist er ja ein netter Kerl und kann sich nicht vorstellen, warum er mitschuldig am Selbstmord Hannahs ist.

Und auch frage mich: Warum gehört Clay zu ihnen? Was hat er getan, das er "einer von ihnen" ist. Gemeinsam mit ihm machte ich mich auf die Suche nach seiner Beteiligung.

Das Buch ist sehr bewegend und erschreckend. Was bewirken Gerüchte, Übertreibungen und Lügen – und seien sie auch noch so "klein". Die einzelnen Begebenheiten sind für sich genommen wirklich "keine Tragödie" – aber die Summe hat dazu geführt, dass Hannah keinen anderen Ausweg mehr sehen konnte.
Eine nachdenkliche Geschichte über den "Alltag" einer Jugendliche – über Unwahrheiten und Lästereien.

Wenn auch manches vielleicht ein wenig übetrieben dargestellt wird, ist dieses Buch für mich mehr als ein Geheimtipp und auf jeden Fall 5 Buchwürmchen wert:

Im Original heißt das Buch übrigensThirteen Reasons Why. In der gebundenen Ausgabe ist auch die Karte enthalten, in der alle wesentlichen Orte aufgezeichnet sind. Aber auch auf der Homepage des Buches könnt ihr den Weg mitgehen.

Euch ein schönes Wochenende
Nicola

[aartikel]3426198479:left[/aartikel]Splitter von Sebastian Fitzek

Kurzbeschreibung
Was wäre, wenn wir die schlimmsten Erlebnisse unseres Lebens für immer aus unserem Gedächtnis löschen könnten? Und was, wenn etwas dabei schief geht? Viel stärker als der Splitter, der sich in seinen Kopf gebohrt hat, schmerzt Marc Lucas die seelische Wunde seines selbst verschuldeten Autounfalls – denn seine Frau hat nicht überlebt.
Als Marc von einem psychiatrischen Experiment hört, das ihn von dieser quälenden Erinnerung befreien könnte, schöpft er Hoffnung. Doch nach den ersten Tests beginnt das Grauen: Marcs Wohnungsschlüssel passt nicht mehr. Ein fremder Name steht am Klingelschild. Dann öffnet sich die Tür – und Marc schaut einem Alptraum ins Gesicht …

Meine Meinung:
Gestern kam er an, der Splitter, auf den ich mich schon lange gefreut habe. Wie bisher alle Fitzek Bücher ließ sich auch dieser überwiegend leicht und flüssig lesen. Heute Mittag waren die letzten Seiten gelesen und seitdem überlege ich, wie ich das Buch fand. Vielleicht hilft mir das Schreiben ja, eine abschließende Beurteilung zu finden.

Marc Lucas kann einem schon leidtun. Nach dem Tod seiner Frau will der das Vergessen lernen und antwortet auf eine Anzeige. Er wird als Proband in die Klinik geladen, lässt sich allerdings nur beraten und beschließt, nicht an dem Experiement teilzunehmen – den Preis, den er für das Vergessen zahlen müsste, ist ihm zu hoch. Jedoch passieren nach diesem Beratungsgespräch unerklärliche Dinge, die Marc an seiner Existenz zweifeln lassen.
Hier habe ich zwischendurch einmal gedacht „So, jetzt kann der nächste Schritt kommen“ – der dann auch glücklicherweise schnell kam. Dann ging es aber gewohnt spannend bis zum Schluss weiter. Aber genau von dem Ende weiß ich nicht, was ich halten soll: Überzogen? Passend? Völlig aus der Luft gegriffen? Typisch Fitzek? Nachvollziehbar – aber doch nicht wahrscheinlich? Ich glaube, es ist von allem etwas und möglicherweise brauche ich noch eine Weile, bis ich es genau weiß. :-)

Das andere Detail, was zum „Buchwürmchen“ – Abzug führte hat mit meinem Beruf zu tun. Ich bin Sozialarbeiterin und mir war bisher nicht bewusst, dass auch Juristen Streetworker werden. Streetworker sind in der Regel Sozialarbeiter, teilweise auch Pädagogen, Sozialwissenschaftler oder Psychologen. Streetwork ist eine Methode in der sozialen Arbeit.
Nun hat aber dieser Jurist mal eben die Rolle des Streetworkers übernommen – aber nicht umsonst gibt es den Studiengang „soziale Arbeit“ – weil es eben mehr ist, als mitfühlen, Kaffee trinken und „quasseln“.

Ob das jemand versteht? Ich weiß es nicht – aber mich nennt auch niemand Koch, obwohl ich wirklich gut und lecker koche. :D
Aber alles in allem gute 4 Buchwürmchen.

Schöne Pfingsttage euch noch
Nicola

[aartikel]3764502843:left[/aartikel]Die Bücherdiebin von Markus Zusak

Kurzbeschreibung:
Den Tod muss man nicht fürchten. Er ist nämlich, wie er als Ich-Erzähler von sich selbst in einer Vorbemerkung sagt, „bemüht, dieser ganzen Angelegenheit eine fröhliche Seite zu verleihen“. Nur hätten die meisten Menschen „einen tief sitzenden Widerwillen, der es ihnen unmöglich macht, mir zu glauben, so sehr ich auch versuche, sie davon zu überzeugen“. Mit einem weiteren Vorurteil räumt der Tod gleich zu Beginn auf, dass ihm nämlich die Menschen gleichgültig seien. Im Gegenteil. Ab und zu, so erfahren wir, braucht er sogar eine Auszeit, um sich abzulenken. „Ihr wollt wissen“, fragt er, „wovon ich mich ablenken muss? (…) Es sind die übrig gebliebenen Menschen. / Die Überlebenden.“ Eine solche Überlebende, „eine Expertin im Zurückbleiben“ ist die neunjährige Liesel Memminger. Von ihr handelt dieses wunderbare Buch. Zum ersten Mal begegnet der Tod der neunjährigen Liesel 1939 am Grab ihres kleinen Bruders, wo sie auch ihre Karriere als Bücherdiebin beginnt: Mit Hilfe des Handbuchs für Totengräber lernt sie das Lesen und muss fortan immer wieder Bücher stehlen. Sie „rettet“ auch welche — vor den Flammen der Nazis. Und hin und wieder bekommt sie auch welche geschenkt. Ihre Liebe zu Büchern muss es sein, die den Tod, der sich selbst hier als großer Erzähler erweist, die Liesel lieb gewinnen lässt. Während um sie herum Bombenhagel alles in Schutt und Asche legen, findet sie Schutz im Keller – und in ihren Büchern.

Meine Meinung:

Gerade habe ich ein beeindruckendes Buch zur Seite gelegt, die letzten Kapitel waren schwer zu lesen, die Tränen flossen, so berührt war ich von diesem Buch.

Aber nun zurück zum Anfang. Die Geschichte der Hauptfigur Liesel Memminger wird vom Tod selbst erzählt. Und ich hätte nie gedacht, dass der Tod selbst mir so sympathisch vorkommt. Seine Aufgabe ist es „Seelen auf das Förderband zur Ewigkeit“ zu legen.

Der Tod erzählt immer wieder von sich, sagt uns, wie er die Welt sieht. Aber er ist allgemein sehr mitteilungsbedürftig und erzählt immer wieder von Dingen, die erst später im Buch erscheinen. Was mich sonst immer ärgert, macht den Tod doch noch sympathischer.

Die Geschichte ist eine sehr bewegende, sehr ergreifende. Liesel Memminger reist zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder fort. Beide Kinder sollen zu Pflegeeltern nach Molching kommen. Auf dem Weg dorthin verstirbt ihr Bruder und Liesel klaut ihr erstes Buch „Handbuch für Totengräber“, obwohl sie selbst nicht leben kann.

Ihre Pflegeeltern sind Rosa und Hans Habermann. Rosa Habermann ist eine eher derbe Frau. Sie nennt Liesel „Saumensch“, aber auch ihren Ehemann „Saukerl“. Während ich am Anfang über diese Namen stolperte, wurde mir doch im Laufe der Zeit klar, dass es ihre Art war, ihre Zuneigung zu zeigen – harte Schale aber weicher Kern.

Hans Habermann gewinnt schnell Liesels Vertrauen, nachts steht er auf und tröstet Liesel, wenn sie wieder mal aus ihren Alpträumen aufgeschreckt ist. Hier entdeckt er auch das „Handbuch für Totengräber“ und stellt fest, dass Liesel nicht lesen kann. Durch diesen Fund ergeben sich die nächtlichen Nachhilfestunden für Liesel, die mit seiner Unterstützung nach und nach das Lesen erlernt.
Rudi ist ebenfalls ein guter Freund für Liesel, mit ihm spielt sie Fußball, stiehlt Lebensmittel, aber es ist auch der Rudi, der unbedingt einen Kuss von Liesel haben möchte, den sie ihn immer wieder verwehrt.
Das Buch spielt während des 3. Reiches und es bedeutet Krieg, Verzicht, aber auch die Zeit der Judenverfolgung und als Max Vandenberg – ein Jude – zu den Habermanns kommt und von ihnen versteckt wird, gibt es nicht nur Angst davor, entdeckt zu werden, sondern es entwickelt sich auch eine tiefe Freundschaft.

Die Bücherdiebin ist eine wundervolle Geschichte, die deutlich auch die Macht der Sprache zeigt. Für mich eine Liebesgeschichte, die gerade noch durch die traurigen letzten Kapitel deutlich wird.
Sprachlich wunderschön und einfühlsam erzählt. Das Ende war zwar vorherzusehen, aber ich hatte immer noch gehofft, dass der Tod gnädiger sein wird.

Das hat mich sehr beweg:

Spoiler
Besonders bewegend war für mich, als Liesel den toten Rudi tot findet und auf ihn zuläuft, ihn versucht zu wecken und ihn dann küsst.

Die Bewertung fällt mir dieses Mal nicht schwer. Volle fünf Punkte – und eigentlich noch viel mehr, die ich ja aber nicht bewerte. Und gedanklich ist das Buch noch sehr präsent – auch wenn es zu Ende gelesen wurde.

Nicola

[aartikel]3453432746:left[/aartikel]Rezension Sabine Thiesler – Das Hexenkind

Kurzbeschreibung
Ein Pilzesammler entdeckt in einem einsam gelegenen alten Bauernhaus in der Toscana eine schlimm zugerichtete Leiche. Der deutschstämmigen Sarah, Frau des Trattoriabesitzers Romano, hat jemand die Kehle durchgeschnitten. Dieser Mord ist aber erst der Anfang für ein Verhängnis, das vor Jahren in Deutschland begann, sich nun über die ganze Familie auszubreiten beginnt und sich bis zu einem bitterbösen Ende steigert.

Meine Meinung
Ich habe vor kurzem ja bereits “Der Kindersammler” von Sabine Thiesler gelesen, der mir sehr gut gefallen hat.

Nun habe ich zu Weihnachten das nächste Buch von dieser Autorin geschenkt bekommen.
Beim Lesen war ich sehr schnell in den Bann des Buches gefangen und las das Buch innerhalb von zwei Tagen durch.

Sarah wird in ihrem Haus mit durchschnittenen Kehle aufgefunden. Warum hat jemand die lebenslustige und lebensbejahende Frau so zugerichtet? Erklären kann sich das niemand. Wirklich niemand?

Die Ereignisse, die zu diesem Mord führten, reichen über zwanzig Jahre zurück und nehmen ihren Anfang in Deutschland. Sarah spannt ihrer Freundin beim Zelten an der Ostsee ihren Freund aus, einen eigenbrötlerischen Musiker. Schnell ziehen die beiden zusammen und Sarah wird schwanger und Elsa wird geboren. Elsa ist ein sehr anstrengendes Kind, das permanent schreit und sich dann nicht beruhigen lässt. Ihr Mann erträgt dieses Kind nicht und immer wieder wird er Sarah gegenüber gewalttätig, so das sie bald von ihm flüchtet. Von ihren Eltern erhält sie keinerlei Unterstützung und Rückhalt, sie halten Franky für einen charmanten Mann, der nur das beste für ihre Tochter will.
Sarah lernt den Italiener Romano kennen, der ihr hilft, wo er nur kann. Als die Unterstellungen von Franky allerdings immer schlimmer werden, flüchtet sie – dieses Mal schwanger von Romano – mit ihrer Tochter und ihm nach Italien, wo sie gemeinsam eine Trattoria eröffnen.

Eduardo kommt in Italien zur Welt und wird von allen geliebt, nur Elsa betrachtet ihn skeptisch. Häufig muss sie auf ihn aufpassen und schon früh fängt sie an, Eduard zu piesacken.

An Eduards zweitem Geburtstag fällt er in den Teich, überlebt diesen Unfall zwar, aber er hat Hirnschädigungen, so dass er auf dem Stand eines zweijährigen stehen bleibt.
Edi liebt seine große Schwester über alles und versucht immer wieder, ihren oftmals widerwärtigen Anforderungen gerecht zu werden, so das Elsa Edi schon bald soweit hat, das er alles für sie tut.

Ein Buch ohne viel Blut und grauenvollen Details, aber trotzdem ein Buch, das einem schauern lässt und vor allen Dingen nicht loslässt. Die menschlichen Abgründe, die in diesem Buch geschildert werden, sind grauenvoller, als viele blutigen Details in vielen anderen Krimis.

Für mich ein gelungenes Buch, wobei die Zufälle mir manches mal doch zu sehr konstruiert waren.
Eine Note zwei aber doch verdient.

[aartikel]3426637928:left[/aartikel]Sebastian Fitzek – Seelenbrecher
Alle Bücher von Sebastian Fitzek

Kurzbeschreibung
Drei Frauen – alle jung, schön und lebenslustig – verschwinden spurlos. Nur eine Woche in den Fängen des Psychopathen, den die Presse den Seelenbrecher nennt, genügt: Als man die Frauen wieder aufgreift, sind sie verwahrlost, psychisch gebrochen – wie lebendig in ihrem eigenen Körper begraben. Kurz vor Weihnachten wird der Seelenbrecher wieder aktiv, ausgerechnet in einer psychiatrischen Luxusklinik. Ärzte und Patienten müssen entsetzt feststellen, dass man den Täter unerkannt eingeliefert hat, kurz bevor die Klinik durch einen Schneesturm völlig von der Außenwelt abgeschnitten wurde. Verzweifelt versuchen die Eingeschlossenen einander zu schützen – doch in der Nacht des Grauens, die nun folgt, zeigt der Seelenbrecher, dass es kein Entkommen gibt.

Meine Meinung:
Für ein Experiment lädt ein Professor Studenten der Psychologie in eine Klinik ein. Aufgabe ist es, eine Patientenakte in einem Rutsch durch zu lesen. Für das Lesen erhalten die Teilnehmer eine Aufwandsentschädigung. Der größte Teil der Teilnehmer bricht das Experiment nach den ersten Seiten ab, nur ein junges Pärchen bleibt, um weiter an dem Experiment teilzunehmen. Geschrieben ist die Patientenakte wie ein Roman aus Sicht von Casper, der mit Gedächtnisverlust in die Klinik eingewiesen wurde.

Von Anfang an vermuten die Patienten, die in der Klinik eingesperrt sind, zu wissen, wer der Seelenbrecher ist und versuchen diesen aufzuhalten. Immer wieder verschwinden weitere Patienten oder Mitarbeiter der Klinik. Auch die Caspers Ärztin wird Opfer des Seelenbrechers und versinkt in einer Art Todesschlaf.

Das besondere an diesem Buch ist die Vermischung von Realität und Fiktion, die Sebastian Fitzek wunderbar geschafft hat. Zwischen des Lesens der Patientenakte, können wir auch immer an der Gedankenwelt der beiden Teilnehmer des Experiments teilhaben, ähnliche Fragen, wie die beiden aufwerfen, habe ich mir beim Lesen der Akte auch selbst gestellt.

Schön fand ich auch, dass „alte Bekannte“ aus vorherigen Büchern in einer Nebenrolle aufgetaucht sind, dass mich zu den abstrusesten Theorien veranlasst hatte – und ich lag mit ihnen komplett falsch.
Ich weiß auch gar nicht wie Fitzek es macht – er schafft es allerdings, dass ich seine Bücher in Rekordzeit lese. Ich selbst fühlte mich als einer der Probanden in dem Experiment, als Leserin dieser Patientenakte. Ein Spiel mit der menschlichen Seele, die seine Bücher verdammt unheimlich machen, dabei sind seine Griffe in die Trickkiste der Psychologie so real, dass sie mir ein unheimliches Gefühl und den ein oder anderen Gänseschauer bescherten.

Wer allerdings denkt, dass Buch endet auf der letzten Seite, der hat geirrt, denn eine Adresse führt zu einem weiteren Rätsel – interaktiv geht es weiter.

Auch über die Leserunden lese ich viele spannende Dinge, gerne würde ich eine besuchen, leider findet hier in der Nähe keine statt – aber vielleicht kommt das ja noch.

Übrigens, die Lösung, des Rätsels habe ich hier versteckt

Ganz klar 5 Buchwürmchen für den Seelenbrecher

Nicola 

[aartikel]3453013808:left[/aartikel]Stieg Larsson – Vergebung
Band 3 aus der Millenniumtrilogie

Kurzbeschreibung:
Die Ermittlerin Lisbeth Salander steht unter Mordverdacht. Ihr Partner Mikael Blomkvist schwört, ihre Unschuld zu beweisen. Er weiß, dass es um Salanders Leben geht. Als seine Ermittlungen die schwedische Regierung in ihren Grundfesten zu erschüttern drohen, setzt er alles auf eine Karte. Nach “Verblendung” und “Verdammnis” der grandiose Höhepunkt der Trilogie um das Ermittlerduo Blomkvist und Salander.

Mit einer Kugel im Kopf wird Lisbeth Salander in die Notaufnahme eingeliefert. Sie hat den Kampf gegen Alexander Zalatschenko, berüchtigter Drahtzieher mafiöser Machenschaften, ein weiteres Mal knapp überlebt. Aber wird sie gegen den schwedischen Geheimdienst bestehen können, der alle Kräfte mobilisiert, um sie ein für alle Mal mundtot zu machen? Zu groß ist die Gefahr, dass sie die Verbindung zwischen Zalatschenko und der schwedischen Regierung aufdeckt. Unterdessen arbeitet Mikael Blomkvist unter Hochdruck daran, Salanders Unschuld zu beweisen. Es fehlen nur noch wenige Details, und er wird das Komplott gegen Salander aufdecken. Auch als seine Ermittlungen von höchster Stelle massiv behindert werden, führt Blomkvist seine Arbeit unbeirrt fort. Er weiß genau, dass er nur noch diese eine Chance hat, um Lisbeth Salander zu retten.

Meine Meinung:
Gleich vorweg, ich habe Vergebung direkt nach Verdammnis gelesen – in der Regel lese ich nur selten zweimal etwas vom gleichen Autor. Wer allerdings Band 2 gelesen hat, wird verstehen, dass ich mir direkt im Anschluss daran lesen musste.
Vergebung geht dort weiter, wo Verblendung aufhörte, mir war klar, dass ich auf den dritten Band nicht als Taschenbuchausgabe warten konnte.

Lisbeth wird mit einer schweren Kopfverletzung ins Krankenhaus eingeliefert. Nur wenige Zimmer weiter liegt ihr Vater – Alexander Zalatschenko (genannt Zala) und beschuldigt seine Tochter, einen Mordversuch an ihn begangen zu haben. Ihre Verletzungen habe er ihr nur aus Notwehr zugefügt.

Nicht nur Zalatschenko und Niedermann, sondern auch einige Mitglieder der Sicherheitspolizei versuchen Lisbeth für immer in die Psychiatrie einweisen zu lassen, um ihre Verbrechen zu vertuschen. Die Sicherheitspolizei schreckt auch nicht vor Mord zurück. Um weitere Probleme zu unterbinden, wird Zalatschenko umgebracht.

Mikael Blomkvist und seine Verbündeten versuchen Lisbeths Unschuld, sowie ihre psychische Gesundheit zu beweisen, um die wahren Schuldigen überführen zu können.

Meine Erwartungshaltung an Band 3 war immens hoch – habe ich doch schon die beiden Vorgängerbände verschlungen und die Hauptcharaktere lieben und schätzen gelernt. Lisbeth Salander, absolut unangepasst, hochintelligent, mit ihren eigenen moralischen Grundsätzen, die aber auch Mord nicht ausschließen ist eine faszinierende und schillernde Persönlichkeit, die meine ganzen Sympathien hatte. Daneben Mikael Blomkvist mit seiner teils naiven, aber im Gegenzug auch knallharten Seite. Aber Larsson hat auch alle Nebencharaktere mit viel Tiefe gezeichnet.

Spannend, mit einem hohen Tempo ist Vergebung das großartige Finale der Millennium – Trilogie und so gebe ich klare, volle 5 Buchwürmchen – hätte ich mehr zur Verfügung, hätte ich auch mehr gegeben.

Nicola


Nicola – der alltägliche Bücherwahnsinn läuft unter Wordpress 3.1.2
Anpassung und Design: Gabis Wordpress-Templates
37 Verweise - 0,370 Sekunden.